(Berichtigte Neufassung - Korrigiert: fehlende Worte in Überschrift) Weihnachtseinkäufe mit D-Mark - Rockenhausen führt Altwährung während der Adventszeit ein - Noch 14 Milliarden Euro in D-Mark im Umlauf --Von ddp-Korrespondent Stefan Säemann-- (Mit Bild
Rockenhausen (ddp-rps) Ralf Berthold zaudert noch Eigentlich wollte er den «Heiermann» ja für seine Münzsammlung aufbewahren.
Rockenhausen (ddp-rps). Ralf Berthold zaudert noch. Eigentlich wollte er den «Heiermann» ja für seine Münzsammlung aufbewahren. Und doch juckt es ihn nun in den Fingern, die fünf Brötchen in D-Mark zu zahlen, sagt er, während er das silberne Fünf-Mark-Stück zwischen den Fingern reibt. Das letzte Mal, dass er mit D-Mark bezahlte, liegt schließlich knapp sieben Jahre zurück.
In Rockenhausen in der Nordpfalz können die Bürger seit Anfang der Woche wieder mit der D-Mark zahlen. Der Euro werde freilich nach wie vor akzeptiert, sagt Joachim Neubrech vom Gewerbeverein augenzwinkernd. Nicht nur der Bäcker, auch die Apotheke, der Friseur, der Spielwaren- und der Elektronikladen - insgesamt 34 Geschäfte in der 12 000-Einwohner-Gemeinde - akzeptieren die Altwährung während der Weihnachtszeit. Bei den örtlichen Banken können sie ihre D-Mark-Einnahmen dann gebührenfrei umtauschen.
Auf die Idee mit der neuen alten Währung kam der Vorsitzende des Gewerbevereins, Tobias Münch. Inspiriert habe ihn ein Städtchen in der französischen Provence namens Collobrieres, erzählt er. Dort war auf Initiative einer pfiffigen Bäckerin das Rad der Geschichte um einige Jahre zurückgedreht und der Franc als alternatives Zahlungsmittel zum Euro wiedereingeführt worden. In Deutschland akzeptiert die Textilwarenhauskette C&A schon seit 2004 die D-Mark wieder als Zahlungsmittel.
Nun soll die D-Mark-Nostalgie dem Rockenhausener Einzelhandel in der Adventszeit ein kleines Plus bescheren. «Wir hoffen schon, dass die Mark lockerer sitzt als der Euro», sagte Neubrech, der die Aktion koordiniert. In Collobrieres habe der Umsatz dank Franc immerhin um fünf Prozent zugelegt. Neubrech ist vom Erfolg des Währungsrevivals überzeugt: «Wenn man im Bekanntenkreis herumfragt, dann hat fast jeder noch D-Mark zuhause.»
Eine Umfrage des Forsa-Instituts stützt Neubrechs persönliche Erfahrung. Jeder dritte Deutsche besitzt demnach noch D-Mark. In deutschen Haushalten schlummern nach Auskunft der Deutschen Bundesbank noch 177 Millionen D-Mark-Scheine und 24 Milliarden Pfennigmünzen. Gesamtwert: 14 Milliarden Euro. Das entspreche ungefähr fünf Prozent des Bargeldumlaufs des Jahres 2000. Pro Tag würden in den Bundesbankfilialen bis zu eine Millionen Mark in Euro umgetauscht. Die meisten stießen bei Umzügen und Haushaltsauflösungen auf längst vergessene Groschen und Scheine.
Bundesbank-Sprecher Gerd Röttger weist darauf hin, dass die Bundesbank alle Noten und Münzen unbefristet und kostenfrei in Euro umtausche. Außerdem könne Bargeld per Post an das Bargeldzentrum in Mainz geschickt werden. Der Euro-Gegenwert werde dann überwiesen.
In Rockenhausen hat Axel Voigt vom Schreibwarenladen schon am Tag nach der Wiedereinführung der D-Mark «einiges Altpapier» in seiner Kasse. Witzig findet er, dass viele Menschen beim Zahlen mit Euro im Kopf den Betrag zwar noch immer in D-Mark umrechneten - jetzt aber beim Bezahlen mit D-Mark ständig Euro sagten.
Im «Blumenhaus» schüttelt die Floristin freudig einen Blumentopf, in dem Pfennigstücke und Groschen munter klimpern. Sechs Mark habe sie schon eingenommen, verrät sie und erzählt lachend von einer alten Dame, die ihre letzten Groschen zusammengekratzt habe, um sie in ein Wintergesteck zu investieren. Und auch Ralf Berthold hat sich schließlich beim Bäcker von seinem letzten Fünf-Mark-Stück getrennt und seine Brötchen damit bezahlt.
ddp/sae/mfl
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