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Wirtschaft & Boerse Marktberichte
24.06.2008 | 11:04 Uhr

(ddp-Hintergrund - Wiederholung vom 10.Juni 2008) Vor 60 Jahren: Sowjetische Blockade West-Berlins - Die USA und Großbritannien kontern mit einer Luftbrücke --Von ddp-Korrespondent Karl-Heinz Gräfe--





Berlin (ddp-bln). Eine der dramatischsten und gefährlichsten Krisen des Kalten Krieges erschütterte am 24. Juni 1948 die alte Reichshauptstadt. Die Sowjetunion, die bei Kriegsende Berlin erobert hatte und nun Herr im Ostteil der Stadt war, verhängte an jenem Tage eine vollständige Blockade über die von den Amerikanern, Briten und Franzosen besetzten Westsektoren Berlins.

Alle Schienen- und Straßenverbindungen nach West-Berlin - sie führten ausnahmslos durch Ostdeutschland - wurden ab sofort geschlossen, wenig später auch die Wasserwege blockiert. Die Stromlieferungen aus dem Ostsektor der Stadt wurden ebenfalls eingestellt, die Lebensmittellieferungen aus Ostdeutschland unterbunden.

Der Westen antwortete zwei Tage später, am 26. Juni 1948, mit einer beispiellosen Gegenaktion: der Errichtung einer Luftbrücke. Elf Monate lang wurden in über 270 000 Flügen rund 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel, Kohle, Baumaterialien und andere Güter über die schon 1945 mit den Sowjets vereinbarten drei Luftkorridore von Westdeutschland nach West-Berlin geflogen. Eine «Gegenblockade» der Amerikaner verbot den Interzonenhandel mit Ostdeutschland, auch eine Transitsperre für den Schienen- und Lkw-Verkehr wurde angeordnet.

Über Nacht waren die Bürger der Stadt zum Spielball der Machtpolitik der Siegermächte geworden. Die Sowjetunion hatte die Einführung der westdeutschen D-Mark auch in West-Berlin zum Anlass ihrer Blockade genommen. Sie zielte jedoch auf die Entscheidung der westlichen Alliierten, bis zum September 1949 einen separaten Weststaat ins Leben zu rufen. Den damaligen sowjetischen Vorstellungen von einem neutralen Gesamtdeutschland war damit eine Absage erteilt worden. Nun sollten die USA und ihre Verbündeten zur Aufgabe ihres Weststaat-Vorhabens, zumindest aber zum Rückzug aus West-Berlin gezwungen werden.

Doch US-Präsident Harry S. Truman entschied: «Wir werden bleiben, Punktum.» Die große Machtprobe endete erst im Mai 1949, als Moskau und Washington nach Geheimverhandlungen in einem kanadischen Dorf sich auf ein Ende der Blockade als auch der westlichen Gegenmaßnahmen einigten.

Die Sowjetunion hatte damit eine Niederlage mit verheerenden emotionalen und politischen Folgen erlitten. «Nicht nur in West-Berlin», so stellte der Historiker Dietrich Staritz fest, «auch in Westdeutschland festigte sich das Negativbild von der sowjetischen Politik, erneuerte sich der traditionelle Antikommunismus und wurde zum zentralen Moment des Massenbewusstseins. Es entstand das Bedrohungstrauma, das der Bildung des westlichen Separatstaates und seiner Eingliederung in das amerikanische Bündnissystem die bis dahin fehlende Massenlegitimation verschaffte, das zudem dafür sorgte, dass alternative Konzepte für die Innen- und Außenpolitik in dieser Zeit nicht mehrheitsfähig werden konnten.»

Bei alledem hatten die USA wie die Sowjetunion nie daran gedacht, wegen Blockade und Luftbrücke das Risiko eines Krieges einzugehen. Der ursprüngliche Vorschlag des Vaters der Luftbrücke, des US-Militärgouverneurs Lucius Clay, mit einem Militärkonvoi die Blockade gewaltsam zu durchbrechen, wurde von der US-Regierung abgelehnt. Moskau dachte im Gegenzug nicht daran, die Luftbrücke mit militärischen Maßnahmen zu behindern. So führte kurioserweise auch der sowjetische Vertreter in der Alliierten Luftsicherheitszentrale, die für die Sicherheit in den Flugkorridoren verantwortlich war, seine Arbeit korrekt bis zum Ende der Blockade fort.

ddp/khg/stu

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Eine der dramatischsten und gefährlichsten Krisen des Kalten Krieges erschütterte am 24. Juni 1948 die alte Reichshauptstadt. Die Sowjetunion, die bei Kriegsende Berlin erobert hatte und nun Herr im Ostteil der Stadt war, verhängte an jenem Tage eine vollständige Blockade über die von den Amerikanern, Briten und Franzosen besetzten Westsektoren Berlins.

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