Wirtschaft & Boerse Marktberichte
08.07.2008 | 19:15 Uhr
Westdeutsche Zeitung: Nach Bush muss endlich gehandelt werden = Von Stefan Küper
Düsseldorf (ots) - Was wird wohl George W. Bush im Jahr 2050 tun? Vielleicht wird der 104-Jährige zum Telefon greifen, seine alte Freundin Angela Merkel, dann 95, anrufen und sagen: "So ein Jammer. Wir haben unsere Emissionsziele von 2008 verfehlt." ...
Düsseldorf (ots) - Was wird wohl George W. Bush im Jahr 2050 tun?
Vielleicht wird der 104-Jährige zum Telefon greifen, seine alte
Freundin Angela Merkel, dann 95, anrufen und sagen: "So ein Jammer.
Wir haben unsere Emissionsziele von 2008 verfehlt."
Naja, wahrscheinlicher ist wohl, dass es keine 40 Jahre dauern
wird, bis die windelweiche Erklärung von Toyako in Vergessenheit
geraten ist. Der Klimawandel wird es nicht. Dafür werden
Naturkatastrophen, Flüchtlingsströme und die ersten im Ozean
verschwindenden Inseln sorgen. Und das Tückische am Weltklima ist,
dass es erst in Jahrzehnten auf das reagiert, was ihm heute in Form
von Treibhausgasen angetan wird. Uns bleiben noch ungefähr zehn
Jahre, sagen Wissenschaftler, um den weltweiten Anstieg der
jährlichen CO2-Emissionen zu stoppen. Danach müssen sie zügig
reduziert werden. Das wäre ein Ziel, das wäre tatsächlich ein
Durchbruch gewesen.
Was alle internationalen Klima-Gespräche blockiert, ist der
Beschützer-Reflex der Regierungen: Bloß keine Belastungen für die
heimische Wirtschaft! Dabei zeigt das Beispiel Deutschland, dass
Klimapolitik die Wirtschaft ankurbeln kann. Ohne das
Erneuerbare-Energien-Gesetz unter Rot-Grün wäre Deutschland heute
nicht Weltmarktführer bei Windkraft und Solarenergie. Grundlage für
solche Entwicklungen waren ehrgeizige Klimaschutzziele, die die
Regierung zum Handeln zwangen.
Dass Bush kurz vor dem Ende seiner Amtszeit nicht mehr als diese
Erklärung zu entlocken war, dürfte allerdings nirgends Verwunderung
ausgelöst haben. In der internationalen Gemeinschaft setzt sowieso
niemand mehr auf ihn. Alle warten auf den neuen US-Präsidenten und
hoffen, dass der - egal ob er McCain oder Obama heißt - die
Notwendigkeit zum schnellen Handeln und die Chancen für die eigene
Wirtschaft erkennt.
Bei der Klimakonferenz im nächsten Jahr müssen die
Industrienationen dann Farbe bekennen: Entweder sie setzen sich ein
ehrgeiziges, zeitlich nahes Ziel, oder die Boom-Staaten China und
Indien werden ihnen die kalte Schulter zeigen, wenn es um deren
Beitrag zum Klimaschutz geht. Vorwerfen dürfte man es ihnen nicht:
Ein Inder kommt auf 900 Kilogramm CO2 pro Jahr, ein Deutscher auf
rund 10 000.
Originaltext: Westdeutsche Zeitung
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