Bajuwarisches Rebellendrama - «Räuber Kneißl» ist der jüngste Streich des Heimatfilmers Marcus H. Rosenmüller --Von ddp-Korrespondent Reinhard Kleber-- (Mit Bildern)
Berlin (ddp) Das Leben des bayerischen Räubers und Volkshelden Mathias Kneißl, der 1902 mit 26 Jahren hingerichtet wurde, ist schon in etlichen Liedern, Filmen und Theaterstücken dargestellt worden Nun bringt der bayerische Regisseur Marcus H.
Rosenmüller und die Drehbuchautoren Karin Michalke und Christian Lerch halten sich an die Eckpunkte des historischen Falls, auch wenn aus dramaturgischen Gründen manches verkürzt und das Figurenarsenal reduziert wurde. So erfährt man nur wenig über die Jugendzeit und die Jahre bis zur Haftentlassung Kneißls 1899, auch der soziale Hintergrund für den Teufelskreis aus Armut und Kriminalität wird nur gestreift.
Mathias Kneißl (Maximilian Brückner) und sein jüngerer Bruder Alois (Florian Brückner) wachsen mit ihren zwei Schwestern in der abgelegenen Schachermühle im Dachauer Land auf. Die Eltern, ein armes Gastwirtspaar (Maria Furtwängler und Michael Fitz), nehmen es mit dem Gesetz nicht so genau. Als Wilderer und Diebe halten sich die Kneißls über Wasser, immer wieder schlagen sie der verhassten Obrigkeit ein Schnippchen. Als der Vater auf der Flucht von Polizisten erschlagen und die Mutter wegen Hehlerei für zwei Jahre eingesperrt wird, müssen sich die Jungs allein durchschlagen. Nach einer Schießerei werden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Aus der Haft entlassen will Mathias ein ordentliches bürgerliches Leben führen. Er verliebt sich in seine Cousine Mathilde (Brigitte Hobmeier) und möchte mit ihr in Amerika ein neues Leben anfangen. Doch der hasserfüllte Dorfgendarm Förtsch (Thomas Schmauser) und bornierte Bauern machen es dem «Zuchthäusler» unmöglich, ehrliche Arbeit zu bekommen oder zu behalten. So lässt sich Mathias von einem Knastkumpanen dazu überreden, einen reichen Hopfenbauern auszurauben. Doch dann braucht der Kumpan dringend ein Alibi und verrät Mathias an die Gendarmen. Eine gnadenlose Hetzjagd beginnt.
Rosenmüller setzt auf viel Lokalkolorit, dialektgestützen Populismus und eine authentische Ausstattung - so lebensecht, dass es in den engen Bauernstuben nach Schweiß zu riechen scheint und auf den schmutzigen Dorfwegen nach Jauche. Keine Zutat zur Räubermoritat fehlt: wilde Burschen und schwarzer Humor, provinzielle Enge und borniertes Obrigkeitsdenken, Armut und Elend, ein rebellischer Geist gegen die Ungerechtigkeit und die große Liebe.
Für das mit typischen Western-Elementen gespickte Außenseiterdrama verpflichtete der 1973 in Tegernsee geborene Regisseur eine dialektsichere Spitzenbesetzung. Neben Maximilian Brückner, Maria Furtwängler und Brigitte Hobmeier spielen sich Thomas Schmauser und Sigi Zimmerschied mit sichtlicher Einsatzfreude die Bälle zu.
Für Brückner, der den Kneißl schon von 2004 bis 2007 am Münchner Volkstheater gespielt hatte, war der Film ein Familientreffen: Sein Bruder Florian spielt den Alois Kneißl, eine Rolle, seine Schwester Isabella gibt die Cilli Kneißl.
Im sichtlichen Bemühen um derbe Volksnähe schießt die Regie allerdings manchmal über das Ziel hinaus, schwelgt in farbenfrohen Sonnenuntergängen, lässt die Musik seufzen und es bei den Verfolgungsjagden ordentlich krachen. Alles in allem ist «Räuber Kneißl» ein saftiges Stück bajuwarisches Unterhaltungskino.
(«Räuber Kneißl», Deutschland 2008, Historienfilm/Abenteuer, 115 Minuten, FSK: 16, Regie: Marcus H. Rosenmüller, Darsteller: Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier, Thomas Schmauser, Maria Furtwängler, Andreas Giebel u. a.)
Kinostart: 21. August 2008
ddp/rkr/nad
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