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07.08.2008 | 10:56 Uhr

(Feature - Nordlichter) Vom Tanzlehrer zum Tierexperten - Mit 77 Jahren fängt Peter Deicke aus Sottrum noch immer gefährliche Tiere ein --Von ddp-Korrespondentin Anna Louise Larkins-- (Mit Bildern)





Sottrum (ddp-nrd). Sein Körper ist übersät mit Narben. Die meisten Verletzungen stammten von Tieren, sagt Peter Deicke und streckt seine Hand aus, in die sich mal ein Krokodil verbissen hat. Doch trotz der vielen Bisse und Wunden ist der Mann aus Sottrum bei Hildesheim Tierliebhaber geblieben. Mit seinem Know-how hilft der 77-Jährige immer mal wieder der Polizei aus der Patsche, wenn es gilt, ausgebüxte Schlangen oder wildgewordene Bullen einzufangen.

Erst vor einigen Wochen fing er im Auftrag der Polizei in der Nähe von Sottrum eine Schnappschildkröte. Das vermutlich ausgesetzte Tier hatte bereits als vermeintliches Krokodil in einem Fluss für Unruhe in der Region gesorgt. Das Krokodil entpuppte sich dann aber als ebenfalls nicht ungefährliche Schnappschildkröte. Die könne «mit einem Biss schon mal Finger oder Zehen amputieren», sagt Deicke.

«Schnappi» steht jetzt auf einem gelben Zettel, der an der Glastür eines der Terrarien in Deickes Familienpark hängt. Eine Gruppe von Kindern zeigt sich beeindruckt, als Deicke erzählt, dass so ein Tier «mit seinen zentimeterlangen Krallen große Hautstücke abziehen kann».

Schon als Kind habe er sich für Tiere begeistert, sagt der 77-Jährige. Ein Lieblingstier habe er allerdings nie gehabt. «Selbst von krabbelnden Käfern auf dem Boden und ausgestopften Gänsen im Schaufenster war ich nur schwer wegzukriegen.» Als Sechsjähriger sei er lieber in den Wald gegangen, um Kreuzottern und Ringelnattern zu fangen, statt in der Schule zu sitzen, erzählt Deicke.

Das Einfangen exotischer Tiere wie Schlangen und Krokodile lernte er mit 25 Jahren von drei Profis in den Everglade-Sümpfen Floridas. Zwei seiner Lehrer seien später an Schlangenbissen gestorben, sagt Deicke. Selbst hatte er immer Glück auf seinen Reisen, auch wenn es für ihn »schon einige Male brenzlig« wurde. Dennoch begab sich der gelernte Tanzlehrer jedes Jahr auf neue Expeditionen und schloss dafür stets für mehrere Monate seine Tanzschule. Die gefährlichsten Tiere, die er jemals gefangen habe, seien schwarze und grüne Mambas gewesen, afrikanische Giftschlangen, verrät Deicke.

Auf die Frage, warum er sich mit seinen 77 Jahren noch immer solchen Gefahren aussetze, antwortet er laut lachend: «Es macht mir einfach unheimlich Spaß. Auch wenn die Angst vor Verletzungen einen immer begleitet.» Den Tieren begegne er dabei stets «mit großem Respekt», betont Deicke. Früher habe er Tiere gefangen, um damit Geld zu verdienen, inzwischen wisse er, «dass das falsch war». Heute gehe es ihm um die Sicherheit der Tiere - und der Menschen, die von entlaufenen Tieren bedroht werden können.

Bei der Hildesheimer Polizei schätzt man «Deickes Furchtlosigkeit vor allem Tierischen». Ohne ihn müsste die Feuerwehr oder ein mutiger Kollege ran, sagt ein Polizeisprecher. Vor allem sei es «sehr praktisch», dass Deicke die gefangenen Tiere in seinem Sottrumer Familienpark vorübergehend unterbringen könne, so wie bei «Schnappi».

Bei Einsätzen für die Polizei hat Deicke auch Kurioses erlebt. «Einmal wurde ich gebeten, eine Schlange einzufangen. Passanten hatten das Tier entdeckt und rund zwei Stunden bewacht, damit es nicht verschwindet», erzählt er. Als er es einfangen wollte, stellte sich heraus, dass das Tier aus Gummi war.

Gefragt sind Deickes Kenntnisse auch, wenn es darum geht, Tiere für Film- und Fernsehdrehs zu trainieren. «Von der Maus bis zum Kamel» habe er schon alle möglichen Tiere kamerareif gemacht, sagt er. Insgesamt seien es mehr als 50 gewesen. Meist habe er die Tiere von Geburt an begleitet und aufgezogen. Einem Schwein beispielsweise habe er beigebracht, aus einem Glas zu trinken, vom Teller zu essen und im Notfall sogar Hilfe zu holen. Derzeit arbeite er für eine Fernsehserie mit drei Dohlen und einem Ferkel. Narben wird der Tierexperte bei diesem Job wohl sicher nicht davontragen.

ddp/lla/pon

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Sottrum (ddp-nrd) Sein Körper ist übersät mit Narben Die meisten Verletzungen stammten von Tieren, sagt Peter Deicke und streckt seine Hand aus, in die sich mal ein Krokodil verbissen hat.

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