DJ UPDATE2: Münchener Rück hält
Dividende trotz
Finanzkrise stabil
(NEU: Prognose, Abschreibungen, Analystenstimme,
Aktienkurs, Hintergrund, Details)
Von Rüdiger Schoß
DOW JONES NEWSWIRES
MÜNCHEN (
Dow Jones)--Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
AG hat aufgrund der Auswirkungen der Finanzmarktkrise ihre ohnehin gesenkte Gewinnerwartung für das Gesamtjahr zurückgenommen. Angesichts einer "soliden" Kapitalausstattung soll die Dividende trotzdem in Vorjahreshöhe gezahlt werden. Auch an den Mittelfristzielen hält der Rückversicherer fest.
"Angesichts der erheblichen Aktienkursverluste wird der Jahresgewinn wahrscheinlich 2 Mrd EUR, das entspricht 10 EUR
Gewinn je
Aktie, nicht erreicht", teilte der Rückversicherer am Freitag in München mit. Eine belastbare Prognose sei wegen der anhaltenden Volatilität der Märkte nicht möglich. Die am 25. Juli erstmals gesenkte Erwartung, nur noch "deutlich mehr als 2 Mrd EUR" zu erreichen, war von Analysten jedoch zuletzt bezweifelt worden. Ursprünglich waren 3,0 Mrd bis 3,4 Mrd EUR erwartet worden.
Etwas optimistischer gibt sich der Konzern bei der Prämienentwicklung. Im Rückversicherungsgeschäft werden 2008 wegen Währungseffekten und einer ertragsorientierteren Zeichnungspolitik nun rund 21 Mrd EUR erwartet. Die bereits im Mai gesenkte Prognose hatte zuvor auf 20 bis 21 Mrd EUR gelautet. Für die Erstversicherung werden rund 17,5 Mrd EUR erwartet, während es für die gesamte Gruppe rund 37,5 Mrd EUR sein sollen. Bislang hatte der Konzern unter der Prämisse stabiler Wechselkurse, mit 36,0 Mrd bis 37,5 Mrd EUR gerechnet.
Skeptisch schaut der Versicherer auf die Schadenkostenquote im Rückversicherungsgeschäft. Die angepeilten 98% seien lediglich erreichbar, wenn es im vierten Quartal nur zu wenigen Großschäden komme. Im Erstversicherungsgeschäft soll diese Quote zum Jahresende deutlich unter 95% liegen.
Trotzdem will die Münchener Rück für 2008 unverändert 5,50 EUR Dividende je Aktie zahlen. Das entspräche einer Gesamtausschüttung von 1,1 Mrd EUR. Für 2009 und 2010 will der Rückversicherer mindestens 1 Mrd EUR Dividende zahlen.
Seine mittelfristige Gewinnplanung bestätigte der Konzern. Im Jahr 2010 soll der Gewinn mindestens 18 EUR je Aktie betragen. Zur Begründung verwies Schneider auf die finanziellen Stärke und die Erfahrung des Konzerns in Risikobeurteilung und -management. Diese hätten in der Krise "erheblich" an Bedeutung gewonnen.
Im dritten Jahresviertel erreichte Münchener Rück nur knapp die Gewinnschwelle. Nach
Steuern und Anteilen Dritter verdiente der Konzern noch 7 Mio EUR verglichen mit 1,196 Mrd EUR im Vorjahr und damit deutlich weniger als erwartet. Von
Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten sich zwar auf einen Einbruch eingestellt, aber doch noch mit 114 Mio EUR Gewinn gerechnet.
Wie der Rückversicherer weiter mitteilte, brach das operative Ergebnis auf 260 Mio EUR von zuvor 1,132 Mrd EUR ein. Auch damit blieb der Konzern weit unter der Konsensschätzung von 352 Mio EUR.
Die Prämieneinnahmen entwickelten sich uneinheitlich. In den vergangenen drei Monaten stiegen die Bruttoprämien auf 9,270 Mrd von 9,148 Mrd EUR, während die Nettoprämien auf 8,859 Mrd von 8,768 Mrd EUR kletterten. Analysten hatten für das dritte Quartal brutto mit 9,151 Mrd EUR, netto jedoch mit einem Rückgang auf 8,782 Mrd EUR gerechnet.
Durch die von der Finanzmarktkrise ausgelösten Einbrüche an den Aktienmärkten schrieb der Konzern 1,789 Mrd EUR auf diese Papiere ab. Schneider sagte, insgesamt habe der Rückversicherer damit in den ersten neun Monaten rund 4,0 Mrd aufgrund von Kurseinbrüchen am Aktienmarkt verloren. Abschreibungen auf festverzinsliche Anlagen beliefen sich in den ersten neun Monaten auf 220 Mio EUR. Teilweise wurden diese Impairmentabschreibungen durch rund 2,9 Mrd EUR Zuschreibungen von Derivativen ausgeglichen.
Die Münchener Rück sei unverändert solide kapitalisiert, sagte Schneider. Die Aktienquote sei in den ersten neun Monaten auf 4,6% von 10,8% zum Ende 2007 gesenkt und bis Ende Oktober noch einmal "deutlich" gedrückt worden.
Die Mittelfristziele aus dem Programm "Changing Gear" sollen beibehalten werden. Demnach sollen bis 2010 über Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen mehr als 8 Mrd EUR an die Aktionäre fließen und der Gewinn je Aktie auf mindestens 18 EUR steigen. Die Gruppe will außerdem über den Zyklus eine
Rendite auf das risikoadjustierte
Eigenkapital (RoRaC) von mindestens 15% erzielen.
Am Aktienmarkt legten die Titel bis zum Mittag um rund 5,33% auf 101,50 EURzu, was Analyst Heino Ruland von FrankfurtFinanz sich so erklärt: "Das Ergebnis ist qualitativ hochwertig". Im Unterschied zu den
Banken habe die Münchener Rück die neue Rechnungslegung zum Vermeiden von Abschreibungen nicht genutzt.
Das dritte Quartal sei zwar wegen des unerwartet geringen Anlageergebnisses niedriger als erwartet ausgefallen, sagte LBBW-Analyst Robert Mazzuoli. Jedoch sei die stabile Dividendenentwicklung und das Festhalten am Aktienrückkaufprogramm positiv. Der Konzern habe seine Aktienquote im
Portfolio gesenkt, bevor sich die Finanzmarktkrise ausgeweitet habe.
Webseite: http://www.munichre.com
-Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117,
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(Ulrike Dauer trug zu diesem Bericht bei)
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November 07, 2008 06:20 ET (11:20 GMT)
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