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12.11.2008

UPDATE: HRE sichert sich Liquiditätsfazilität über 50 Mrd EUR



DJ UPDATE: HRE sichert sich Liquiditätsfazilität über 50 Mrd EUR

(NEU: Analystenstimme, Aktienkurs, Hintergrund, Details)

Von Rüdiger Schoß
DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Hypo Real Estate Holding AG (HRE) wird wegen der anhaltenden Finanzkrise im dritten Quartal voraussichtlich 3,1 Mrd EUR Verlust vor Steuern verbuchen. Wie das Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte, stellen ein Finanzkonsortium, die Bundesbank und der Bund zudem noch in dieser Woche erste Mittel aus der angekündigten Liquiditätsfazilität über 50 Mrd EUR bereit. Die Vorlage der Drittquartalszahlen wurde auf den 17. November verlegt.

Vorläufigen Unternehmensangaben zufolge wird wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise der Vorsteuerverlust im dritten Quartal 3,1 Mrd EUR betragen. Allein die vollständige Abschreibung des Goodwills und anderer immaterieller Vermögenswerte aus der Erstkonsolidierung der Tochter DEPFA Bank summierten sich auf rund 2,5 Mrd EUR. Damit schneidet die Bank deutlich schlechter ab, als vom Finanzmarkt erwartet.

Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Minus von 2,44 Mrd EUR gerechnet. Vor Steuern hatte das Plus im Vorjahreszeitraum 0,23 Mio EUR betragen.

Die Drittquartalszahlen werden darüber hinaus von weiteren 600 Mio EUR belastet, kündigte HRE an. Hintergrund seien Ausfälle durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers, die Situation in Island, eine Abschreibung auf die Beteiligung an der australischen Investment- und Beratungsunternehmen Babcock & Brown sowie weitere Wertverluste bei den Collateralized Debt Obligations (CDO) des Konzerns. Darüber hinaus seien die Portfolio-Wertberichtigungen um rund 100 Mio EUR erhöht worden.

Mitte August hatte Finanzvorstand Markus Fell angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte würden "maximal 200 Mio EUR" weitere Abschreibungen auf das Portfolio besicherter Schuldverschreibungen fällig. Im zweiten Quartal nahm der Immobilienfinanzierer erfolgswirksame Neubewertungen im CDO-Portfolio von 145 Mio EUR vor. Entsprechende Korrekturen hatten das Ergebnis des ersten Quartals mit 175 Mio EUR belastet.

Die Liquiditätsfazilität hat der Hypo Real Estate zufolge eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2009, sollte der Bund seine Liquiditätsgarantie über den 31. März 2009 hinaus verlängern. Über die Verlängerung der Garantie will die Hypotheken- und Pfandbriefbank "zu gegebener Zeit" mit dem Bund verhandeln. Als Sicherheit stellt HRE Darlehen und Wertpapiere über 60 Mrd EUR zur Verfügung. Darüber hinaus habe sie ihre Anteile an den operativen Tochterbanken der Gruppe als Sicherheit für die Bundesgarantie verpfändet.

Die Verzinsung der Kreditlinie liegt den Angaben zufolge durchschnittlich um 93 Basispunkte über dem 3-Monats-Euribor. Darüber hinaus sei ein Besserungsschein vereinbart worden, der im Durchschnitt mit weiteren 90 Basispunkten verzinst wird. Er werde kumulativ über 7 Jahre bedient, sollte HRE im jeweiligen Geschäftsjahr ein positives Vorsteuerergebnis erzielen.

Wegen der Kosten der vereinbarten Liquiditätsfazilität sowie der Mehrkosten für eine Überbrückungsfinanzierung der Bundesbank bis zum 13. Dezember erwartet die HRE für das vierte Quartal weitere Ergebnisbelastungen. Zudem müssten Aufwendungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung und Neuausrichtung der Gruppe verbucht werden. Auch 2009 werde die Bilanz durch die Kosten der Fazilität und des Konzernumbaus belastet, kündigte HRE an.

Wie bereits bekannt, bemüht sich die HRE gegenwärtig über die Liquiditätsfazilität hinaus um weitere Mittel des "Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung" (SoFFin). Damit solle sowohl zusätzlicher Liquiditäts- als auch ein "erheblicher" Kapitalbedarf gedeckt werden, teilte die HRE mit. Die Unterstützung sei Grundlage für die Restrukturierung und Neuausrichtung. Die entsprechenden Anträge würden derzeit vorbereitet.

Schlechte Aussichten für die Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) attestierte UniCredit-Analystin Kerstin Vitvar der nächtlichen Mitteilung der Hypotheken- und Pfandbriefbank. Die niedrige Tier-1-Ratio deute darauf hin, dass die Bank eine Kapitalerhöhung benötige. Daneben sorgten aber auch der Besserungsschein der HRE und die unerwartet hohen Kosten für die Liquiditätsfazilität dafür, "dass der Aktionär nicht mehr viel von der Aktie sehen wird". Ihre Einstufung "Sell" werde sie deshalb beibehalten.

Er sei in der Unternehmensmitteilung der Hypo Real Estate vergeblich auf der Suche nach guten Nachrichten gewesen, sagt ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Zwar sei es "kein Drama", dass der Quartalsverlust höher als erwartet ausfalle. Dessen Umfang sei schwer einzuschätzen gewesen. Jedoch zähle die Mitteilung zahlreiche negative Einflüsse für die Zukunft auf.

So sei die Tier-1-Ratio "erheblich" abgesunken, bestätigte er die Einschätzung seiner Kollegin. Die Refinanzierung, die nun offenbar gesichert sei, koste in den kommenden Jahren erhebliche Summen. "Da kommen andere Banken günstiger weg", sagte er. Zudem würden für das vierte Quartal Mehrkosten angekündigt, ohne diese genauer zu beziffern, bemängelte der Analyst. "Hypo Real wird nicht untergehen, aber wir haben Negatives erwartet und dann gab es noch eine Schippe drauf", sagte er.

Ähnlich vorsichtig bewerteten offensichtlich auch die Anleger die Nachricht von der rettenden Kreditlinie. Im frühen Handel zeigte sich die Aktie in einem insgesamt freundlichen Markt mit 3,93 EUR um lediglich 0,26% über dem Vortag. Ende September waren die Titel noch mit mehr als 15 EUR umgegangen.

Die HRE war vor allem durch ihre vor rund einem Jahr übernommene Tochter DEPFA in Bedrängnis geraten, die an den angespannten Geldmärkten nicht mehr ausreichend kurzfristige Kredite erhalten hatte. Ende Oktober hatte HRE schließlich 15 Mrd EUR Liquiditätsgarantie des Bundes aus dem Rettungsfonds beantragt. Darüber hinaus sollte das nun beschlossene Rettungspaket von Regierung und der Finanzindustrie weitere 50 Mrd EUR zur Verfügung stellen.

Webseite: http://www.hyporealestate.de

-Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117,
ruediger.schoss@dowjones.com
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November 12, 2008 03:50 ET (08:50 GMT)

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