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18.11.2008

Lufthansa plant mit Gewerkschaften Spielregeln für Streiks



DJ Lufthansa plant mit Gewerkschaften Spielregeln für Streiks

Von Kirsten Bienk
DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Management der Deutschen Lufthansa AG, Frankfurt, will vor dem Hintergrund kommender Tarifauseinandersetzungen mit allen Gewerkschaften Spielregeln für den künftigen Umgang miteinander erarbeiten. So sollen die Auswirkungen von Arbeitskämpfen auf das Unternehmen, aber auch auf unbeteiligte Dritte und die gesamte Volkswirtschaft reduziert werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer Vertreter der drei im Unternehmen aktiven Gewerkschaften ver.di, Vereinigung Cockpit und UFO Ende November zu einem Gespräch an einen Runden Tisch gebeten. Die Eingeladenen haben ihr Kommen zwar zugesagt, Lauer ist jedoch mit Blick auf den Ausgang des Gesprächs nicht optimistisch. Er bleibe in diesem frühen Stadium "skeptisch", sagte der Personalvorstand am Montagabend in Frankfurt.

Hintergrund seines Angebots ist der Verlauf der jüngsten Tarifrunde. Ihm seien vor allem die unterschiedlichen Forderungen der drei Gewerkschaften und die Art der Kommunikation ein Dorn im Auge.

Die Gewerkschaften hätten bereits seit geraumer Zeit erkannt, welche Möglichkeiten sie hätten, um den gesamten Flugbetrieb lahm zu legen, sagte er. Diese Macht werde derzeit aber anders ausgelebt als früher. Je kleiner die Gruppe desto sei größer oft ihr Hebel, sagte der Personalvorstand. Wenig streikende Mitarbeiter einer Berufsgruppe könnten den Betrieb zum Erliegen bringen, weil die Flugzeuge nicht mehr starten könnten.

Das nun vorgelegte Gesprächsangebot ist seinen Angaben zufolge ein Versuch, das Miteinander künftig besser zu regeln. Ziel jeglicher Tarifverhandlungen müsse es sein, dass die Tarifvertragsparteien gemeinsam ein Ergebnis erzielen und dies auch akzeptieren würden. Lauer möchte verhindern, dass er getrennt mit jeder einzelnen Gewerkschaft nacheinander verhandelt und eine Arbeitnehmervertretung die Forderung der anderen noch übertrumpft und ein gegenseitiges Hochschaukeln beginnt.

Gerade dies passiert aber bei Deutschlands größter Airline. Nachdem Vorstand und Gewerkschaft ver.di im Sommer für das Boden- und Kabinenpersonal einen Kompromiss gefunden hatten, haben die Verhandlungen mit UFO noch nicht begonnen. Diese Gespräche sollen zum Jahresende beginnen. Die Forderung von UFO nach 15% mehr Lohn und Gehalt liegt seit rund sechs Monaten auf dem Tisch. Dies ist für Lauer und seine Vorstandskollegen aber "inakzeptabel". Mit ver.di hatte Lufthansa ein geringeren Anstieg der Gehälter vereinbart.

Lauer kritisiert die unterschiedlichen Forderungen aller im Konzern tätigen Gewerkschaften. Er wolle die Gewerkschafter fragen, wie ein Unternehmen die gegenwärtige Situation aushalten solle, sagte der Personalvorstand. Wenn Lufthansa anfange, Mitarbeiter auf gleichen Positionen nach Gewerkschaftszugehörigkeit zu bezahlen, schade das dem Unternehmen nachhaltig.

Der Manager wendet sich nicht per se gegen mehrere Gewerkschaften im Unternehmen. Um aber die Zusammenarbeit zu verbessern und die Auswirkungen von Arbeitskämpfen zu reduzieren, habe der Vorstand Vorschläge für einen gemeinsamen Kodex ausgearbeitet. So wünsche er sich die Einführung bestimmter Verfahrensschritte, wie beispielsweise Vorlaufzeiten für den Beginn von Streiks und Warnstreiks und lokale Begrenzungen der Arbeitskämpfe. Außerdem plädiere er bei bestimmten Verhandlungsstillständen für die Einschaltung von Mediatoren.

Das Streikrecht will Lauer damit nicht begrenzen. Es gehe ihm vielmehr um das Aufstellen von Hürden. Ein Streik von zwei Wochen koste Lufthansa das Jahresergebnis, sagte er. Alleine die Ankündigung eines Warnstreiks koste viel Geld, weil die Kunden verunsichert und auf alternative Verkehrsmittel umsteigen würden. Da Flüge "verderbliche" Ware seien und nicht nachgeholt werden könnten, sei Lufthansa ein sehr verletzbares Unternehmen. Beide Seiten müssten die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren.

Da ein Streik bei Deutschlands größter Airline aber Lauer zufolge auch Auswirkungen auf Dritte und die gesamte Volkswirtschaft hat, bedürfe es zudem noch Regelungen zur Aufrechterhaltung des Betriebes.

Webseite: http://www.lufthansa-financials.com
http://www.db.de
-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116,
kirsten.bienk@dowjones.com
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November 18, 2008 02:00 ET (07:00 GMT)

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