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24.11.2008

UPDATE: Deutsches Geschäftsklima auf niedrigstem Stand seit 1993



DJ UPDATE: Deutsches Geschäftsklima auf niedrigstem Stand seit 1993

(NEU: Kommentare von Bankvolkswirten, Hintergrund)

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im November abermals kräftig eingetrübt und dabei den tiefsten Stand seit mehr als fünfzehn Jahren verzeichnet. Wie das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mitteilte, sank der Geschäftsklimaindex auf 85,8 Punkte, nachdem er im Oktober bei 90,2 notiert hatte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten lediglich einen Indexrückgang auf 88,6 erwartet. Eine noch deutlichere Verschlechterung des ifo-Index innerhalb eines Monats wurde nur im September 2001 nach den Terroranschlägen registriert.

Mit dem sechsten Rückgang in Folge erreichte das Geschäftsklima den niedrigsten Stand seit Februar 1993. Damals war ein Indexniveau von 84,9 Punkten verzeichnet worden. Deutschland dürfte vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise am Beginn einer scharfen Rezession stehen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im kommenden Jahr sinken, sagten Bankvolkswirte.

Der Indikator zur Beurteilung der aktuellen Lage fiel laut ifo Institut auf 94,8 Punkte, im Oktober hatte er bei 99,9 gelegen. Die Erwartungskomponente sank auf 77,6 (Oktober: 81,4) - das niedrigste Niveau seit Beginn der gesamtdeutschen ifo-Erhebungen Anfang der 1990er Jahre. Die Indexergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen der Bereiche verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel. Laut ifo Institut wurde in allen Branchen eine Eintrübung des Geschäftsklimas verzeichnet.

"Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr", kommentierten die Münchener Wirtschaftsforscher die Umfrageergebnisse. Insgesamt habe sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und werde nun auch den Arbeitsmarkt erfassen, lauteten ihre Schlussfolgerungen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verwies darauf, dass die Erwartungen - legt man die ifo-Erhebungen vor der Zeit der Wiedervereinigung zugrunde - sogar nur beim Ölpreisschock von 1973 niedriger gewesen seien als jetzt. "All dies deutet darauf hin, dass das BIP im vierten Quartal massiv zurückgeht, wir rechnen gegenüber dem dritten Quartal mit einem Minus von 0,75%", sagte er. Zudem werde die deutsche Wirtschaft 2009 um 1,2% schrumpfen. "Die meisten Volkswirte unterschätzen noch immer die Schwere der Rezession", warnte Krämer.

Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus äußerte sich ebenfalls wenig zuversichtlich. Der Blick auf den ifo-Index führe vor Augen, "dass wenig Hoffnung auf eine Beendigung der konjunkturellen Durststrecke im kommenden Jahr besteht", sagte er. In punkto Gesamtwachstum "dürften sich die negativen Impulse der Finanzmarktkrise erst 2009 voll entfalten". Für dieses Jahr rechnet Sartoris noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4%.

Nach Einschätzung der Experten dürfte allerdings nunmehr die Wahrscheinlichkeit gestiegen sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen in den kommenden Woche um mehr als 50 Basispunkte senkt. "Die Argumente für eine Senkung um 75 Basispunkte haben zugenommen", sagte Carsten Brzeski von ING Bank. Die EZB müsse sich weiter beeilen, um den Entwicklungen wieder voraus zu sein. Commerzbank-Chefökonom Krämer sagte, eine Zinssenkung um einen dreiviertel Prozentpunkt sei angesichts des Drucks der eingebrochenen Konjunkturindikatoren wahrscheinlicher. Bis Frühjahr 2009 werde die EZB ihren Leitzins auf 1,75% zurücknehmen.

-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 313,
peter.trautmannn@dowjones.com
DJG/ptt/kth

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November 24, 2008 05:30 ET (10:30 GMT)

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