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25.11.2008

UPDATE: Deutsche Wirtschaft rutscht im 3. Quartal in Rezession



DJ UPDATE: Deutsche Wirtschaft rutscht im 3. Quartal in Rezession

(NEU: Kommentare von Bankvolkswirten, Hintergrund)

FRANKFURT (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal dieses Jahres erheblich durch einen schwachen Außenbeitrag gedämpft worden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mitteilte, verzeichneten die Exporte einen Rückgang um 0,4% gegenüber Vorquartal, während die Importe um 3,8% zulegten. Vor diesem Hintergrund kostete der Außenhandel dem deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1,7 Prozentpunkte Wachstum, sodass das BIP im Endeffekt das zweite Quartal in Folge fiel. Daneben bremsten sinkende Ausrüstungsinvestitionen die wirtschaftliche Dynamik.

Den BIP-Rückgang um 0,5% saison- und kalenderbereinigter Rechnung hatte Destatis bereits am 13. November ausgewiesen; der Wert wurde nun bestätigt. Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,4% geschrumpft, sodass Deutschland mittlerweile nach allgemeiner Lesart in eine Rezession abgeglitten ist. Zwischen April und Juni hatte noch eine schwache Inlandsnachfrage für die negative BIP-Entwicklung gesorgt.

Die im Rahmen der zweiten BIP-Veröffentlichung erstmals präsentierten Daten zu den einzelnen BIP-Aggregaten zeigen, dass die inländische Verwendung im dritten Quartal gegenüber dem Vorzeitraum um 1,3% (zweites Quartal: minus 1,0%) zulegte. Dabei verzeichnete der private Konsum - nach drei Minus-Quartalen in Folge - einen Anstieg um 0,3% (minus 0,6%), die Bruttoanlageinvestitionen erhöhten sich leicht um 0,1% (minus 1,4%). Der Staatsverbrauch stieg um 0,8% (plus 0,9%).

Schwach waren hingegen die Ausrüstungsinvestitionen, die in den vergangenen zwei Jahren maßgeblich zur Dynamik der deutschen Wirtschaft beigetragen hatten. Nach sieben Quartalen mit aufwärts gerichteter Entwicklung fielen sie um 0,5% (plus 0,5%), während die Bauinvestitionen - nach einer starken Abwärtskorrektur im Frühjahr - um 0,3% anzogen. Zudem legten die Investitionen in sonstige Anlagen, die weniger als 10% der gesamten Bruttoanlageinvestitionen ausmachen, um 2,6% (plus 3,5%) zu.

Wachstumsimpulse von der inländischen Nachfrageseite kamen auch von einer deutlichen Zunahme der Lagerbestände der Unternehmen. Insgesamt sorgte die Inlandsverwendung damit für 1,2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum, was aber nicht ausreichte, um die negativen Wachstumseffekte vom Außenhandel zu kompensieren.

Auf Jahressicht lag das BIP im dritten Jahresviertel nach weiteren Angaben von Destatis kalenderbereinigt um 0,8% höher, ohne Kalenderbereinigung belief sich das jährliche Wirtschaftswachstum auf 1,3%. Destatis verwies diesbezüglich darauf, dass das dritte Quartal einen Arbeitstag mehr aufgewiesen habe als das entsprechende Vorjahreszeitraum.

Bankvolkswirte fanden wenig Gutes in den neuen Daten. Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil sagte: "Mit den Ausrüstungsinvestitionen und den Exporten sind die Haupttreiber des zurückliegenden Aufschwungs in Deutschland zur Bremse geworden. Dies sind keine gute Vorzeichen für 2009". Vor allem die Entwicklung der Exporte begründete er mit der globalen Nachfrageschwäche und einer bis Mitte 2008 kräftigen Aufwertung des Euro. Für das laufende vierte Quartal äußerte er die Einschätzung eines noch stärkeren BIP-Rückgangs, "und auch im ersten Halbjahr 2009 dürfte die Rezession andauern".

WestLB-Ökonom Arnd Schäfer verwies zum starken Importanstieg darauf, dass dieser wohl wegen der gesunkenen Rohstoffpreise zustande gekommen sei. "Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen die nachgebenden Preise genutzt haben, um ihre Lager aufzustocken", sagte er. Zur insgesamt kräftigen Zunahme der Lager - diese trug knapp 1% zur BIP-Entwicklung bei - äußerte Schäfer die Vermutung, dass sie zum Teil auch unfreiwillig gewesen sei. "Ein solch unfreiwilliger Lageraufbau ist eine Belastung für die Entwicklung im kommenden Quartal, weil die Unternehmen diesen Lagerbestand zunächst wieder reduzieren werden", sagte er.

Carsten Brzeski von ING Bank zog hingegen einen - auch angesichts einer leichten Aufhellung des GfK-Konsumklimas - positiven Aspekt aus den Daten. "Es gibt die leichte Hoffnung, dass der deutsche Verbraucher in den kommenden Monaten im positiven Sinne überraschen könnte", sagte der Volkswirt. Deutschland sei zwar inmitten einer Rezession. "aber es gibt etwas Licht am Ende des Tunnels".

Die meisten Experten erwarten derzeit, dass die deutsche Wirtschaft 2008 trotz der beiden vergangenen schwachen Quartale - und ungeachtet eines weiteren BIP-Rückgangs zum Jahresende - dennoch um gut 1% wachsen wird. Grund für die Annahme ist das sehr starke erste Jahresviertel, in dem das BIP um 1,4% auf Quartalssicht zugelegt hatte. Für 2009 wird allerdings wegen der globalen Finanzkrise und der allgemeinen weltwirtschaftlichen Schwäche mit einem stärkeren BIP-Rückgang gerechnet. Einige Ökonomen sagen dabei die schwächste wirtschaftliche Entwicklung seit Ende des Zweiten Weltkriegs voraus.

-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 313,
peter.trautmannn@dowjones.com
DJG/ptt/kth

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November 25, 2008 04:02 ET (09:02 GMT)

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