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26.11.2008

UPDATE: Porsche rechnet 2008 nicht mehr mit Aktienmehrheit an VW



DJ UPDATE: Porsche rechnet 2008 nicht mehr mit Aktienmehrheit an VW

(NEU: Details)

Von Katharina Becker
DOW JONES NEWSWIRES

STUTTGART (Dow Jones)--Die Porsche Automobil Holding SE rechnet angesichts der Kurskapriolen der Volkswagen-Aktie nicht mehr damit, noch in diesem Jahr die Mehrheit an Europas größtem Automobilhersteller zu übernehmen. "Unser Ziel ist weiterhin, die VW-Beteiligung so bald wie möglich zunächst auf über 50% der VW-Stammaktien aufzustocken", sagte der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Sportwagenherstellers, Wendelin Wiedeking, am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz.

"Angesichts des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds wird es allerdings zunehmend unwahrscheinlicher, dass wir dieses Ziel noch in diesem Kalenderjahr erreichen können."

Ursprünglich wollte Porsche noch in diesem Jahr auf mehr als 50% an der Volkswagen AG aufstocken. Der Sportwagenhersteller hält direkt bereits 42,6% und indirekt über Optionen weitere 31,5% an dem Wolfsburger DAX-Konzern und strebt im kommenden Jahr die Dreiviertelmehrheit an. Porsche will dann einen Beherrschungsvertrag durchsetzen, womit die Stuttgarter vollen Durchgriff auf VW und deren Gewinne hätten.

Porsche sei jedoch nicht bereit, "VW-Stammaktien zu wirtschaftlich unsinnigen Kursen zu erwerben", sagte Porsche-Finanzvorstand Holger Härter mit Bick auf aktuelle VW-Kurse um die 260 EUR pro Aktie und mehr. "Die Folge wären erhebliche Abschreibungsrisiken und - damit verbunden - eine unkalkulierbare Ergebnisbelastung. Das möchten wir vermeiden", ergänzte Härter.

Der angestrebte Beherrschungsvertrag würde derzeit jedoch an dem im VW-Gesetz verankerten Vetorecht des Landes Niedersachsen mit einem Anteil von gut einem Fünftel scheitern. Trotz heftiger Kritik der EU-Kommission und des Großaktionärs Porsche hatte der Bundestag die umstrittene Neufassung des VW-Gesetzes am 13. November mit großer Mehrheit verabschiedet. Damit behält das Land Niedersachsen seine Sperrminorität.

Die Flaute in der Automobilindustrie geht unterdessen auch an Porsche nicht spurlos vorüber. In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 (1. August bis 31. Juli) verkauften die Stuttgarter rund 25.200 Sportwagen und damit 18% weniger als im Vorjahreszeitraum, wie Porsche am Mittwoch auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Der Umsatz schrumpfte von August bis Ende November um rund 15% auf etwas mehr als 2 Mrd EUR. Die exakten Zahlen will Porsche im Zwischenbericht Mitte Dezember veröffentlichen.

Eine verlässliche Vorhersage für den Verlauf des Geschäftsjahres traute sich der Sportwagenhersteller angesichts der schwierigen weltwirtschaftlichen Situation nicht zu. Der Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking sagte erneut, der Konzern fahre "auf Sicht" und werde, wenn notwendig, flexibel auf weitere wirtschaftliche Verwerfungen reagieren.

Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 rechnet Porsche angesichts der weltweiten Absatzflaute jedoch mit deutlich weniger verkauften Wagen als im Vorjahr. Von August 2007 bis Ende Juli 2008 hatte Porsche einen neuen Rekord von 98.652 verkauften Cayenne, Boxster, 911-er und Co. eingefahren. Die Stuttgarter hatten jedoch mehrfach erklärt, lieber ein Fahrzeug weniger zu produzieren als eines auf Halde zu stellen.

Porsche hatte bereits am Dienstag angekündigt, nach vergangenen Freitag bis Ende Januar an sieben weiteren Tagen die Bänder im Werk Zuffenhausen anzuhalten. Rabatte werde es seitens des Unternehmens trotz wegbrechender Verkäufe auch weiterhin nicht geben, sagte Wiedeking.

Den nächsten Wachstumsschub erwartet das Unternehmen erst im Geschäftsjahr 2009/10 mit der Markteinführung des Panamera. Der ab Spätsommer 2009 verfügbare Viertürer, von dem die Stuttgarter mindestens 20.000 pro Jahr zu verkaufen hoffen, könnte Porsche den erhofften Absatzschub bringen. Die letzte Neueinführung war der Geländewagen Cayenne Ende 2002 - heute das bestverkaufte Porsche-Modell.

Während die großen US-Automobilhersteller Milliardenverluste verkündeten und auch die deutschen Hersteller unter dem weltweiten Nachfrageeinbruch leiden, hatte Porsche dank üppiger Einnahmen aus den Geschäften mit Volkswagen-Aktien im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 mehr Gewinn als Umsatz gemacht.

Die Optionsgeschäfte auf VW-Aktien steuerten mit gut 6,8 Mrd EUR den größten Teil zum Vorsteuergewinn von 8,6 Mrd EUR bei. Mit Autos verdiente Porsche operativ vor Steuern rund eine Milliarde Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 6,4 Mrd EUR bei einem Umsatz von 7,5 Mrd EUR.

Trotz der großen Kursabschläge der Porsche-Aktie erteilte Wiedeking Aktienrückkäufen zur Stützung des Kurses eine Absage. "Wir verschwenden an solche Ideen keinen Gedanken", sagte er.

Webseite: http://www.porsche-se.de

-Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112,
katharina.becker@dowjones.com
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November 26, 2008 04:36 ET (09:36 GMT)

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