Die Wogen hoch gegangen sind am Dienstagnachmittag bei einer Betriebsversammlung im AT&S-Werk in Leoben Hinterberg. In mehreren Tranchen wurden die 1.200 Mitarbeiter von den geplanten Massnahmen, insbesondere den Kündigungen, in Kenntnis gesetzt. Betroffen sind - namentlich vorerst noch nicht bekannte - 293 Stamm-Mitarbeiter und 159 Leiharbeiter, also gut ein Drittel der Belegschaft.
Vonseiten der Mitarbeiter wurde Kritik laut, dass man ein Jahrzehnt mitgearbeitet habe am Aufbau der Werke in China, Korea und Indien "und jetzt nehmen sie uns die Arbeit weg", schilderte ein Betriebsrat die Stimmung. Sein Ziel sei es, "die Haut der Mitarbeiter so teuer wie möglich zu verkaufen", so der Belegschaftsvertreter im ORF
Steiermark.
"Wir bedauern zutiefst den Schritt, den der Leiterplattenhersteller AT&S setzt, und werden im Rahmen der beschäftigungspolitischen Möglichkeiten gemeinsam mit dem
Unternehmen und dem AMS alles tun, um die betroffenen Mitarbeiter beim Übertritt in die neue Beschäftigung bestmöglich zu unterstützen", reagierte der steirische Landeshauptmann Franz Voves (S) auf die Unternehmensverlautbarung. Mit dem Konjunkturausgleichsbudget im Doppelhaushalt 2009/10 seien auch dafür Vorkehrungen getroffen worden.
Ins Schussfeld der ÖVP geriet Aufsichtsratsvorsitzender und Miteigentümer Hannes Androsch: Er trete gemeinsam mit dem SPÖ-Landeshauptmann bei Veranstaltungen auf und gebe wirtschaftspolitische Tipps, wenn es aber darauf ankomme, den Standort Leoben-Hinterberg abzusichern, "kennt er keine Skrupel und geht auf Tauchstation", so Landtagsabgeordneter Wolfgang Kasic. Es sei "unerhört", die wirtschaftliche Situation auszunutzen, um Produktionen ins Ausland zu verlagern, jedoch vorher Millionen an Förderungen lukriert zu haben.