Mit seinem Rücktritt beim 1. FC Nürnberg hat Thomas von Heesen sein sieben Monate andauerndes Missverständnis beendet. Am Donnerstagnachmittag stellte der 46-Jährige sein Amt als Trainer beim Zweitligisten zur Verfügung, kam damit aber wohl nur einer Entlassung zuvor. Der ehemalige Nationalspieler hatte nach dem Bundesliga-Abstieg bei den Fans überhaupt keinen Kredit und war auch intern äußerst umstritten.
"Aufgrund der jetzigen Situation, die eine von mir nie für möglich gehaltene Eigendynamik entwickelt hat, habe ich mich dazu entschlossen, meinen Posten zur Verfügung zu stellen", erklärte von Heesen. Für ihn sei "nicht nachvollziehbar, nach zwei Spieltagen einen Trainer komplett in Frage zu stellen - wider besseren Wissens, dass eine neu formierte, verjüngte Mannschaft Zeit zur Entwicklung braucht".
Für den Abend hatte der "Club" eine Sitzung des Präsidiums und Aufsichtsrats angesetzt. Einziger Tagesordnungspunkt wäre die Personalie von Heesen gewesen. "Der Trainer hat ja deutlich genug kundgetan, dass er sich hier nicht so wohlfühlt", sagte Präsident Michael A. Roth den Nürnberger Nachrichten. Er hatte "große Unruhe" beim fränkischen Traditionsverein ausgemacht.
Von Heesen enttäuschte Roth gleich doppelt Vor allem die geringe Identifikationsbereitschaft mit dem "Club" wurde von Heesen vorgeworfen. Roth führte auch den sportlichen Misserfolg an: "Dass er den Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern konnte, war die erste große Enttäuschung, der Start in die 2. Liga war die zweite Enttäuschung."
Von Heesen hatte am 12. Februar das Amt von Hans Meyer beim neunmaligen Meister übernommen, den Klub aber nicht vor dem siebten Abstieg gerettet. Auch der Start in die 2. Liga verlief mit einem 2:1 gegen den FC Augsburg und einem 1:2 beim 1. FC Kaiserslautern wenig erfreulich. Der Druck auf den ohnehin ungeliebten von Heesen wurde in Nürnberg deshalb immer größer.
Beim Heimspiel gegen Alemannia Aachen am kommenden Sonntag (14.00 Uhr/live bei Premiere) wird die Mannschaft vom bisherigen Co-Trainer Michael Oenning betreut. Mit von Heesens Rücktritt ist der 332. vorzeitige Trainerwechsel in der 2. Liga perfekt.