In der Heimat von Italiens größtem Rennfahrer Tazio Nuvolari liebt man feines Essen und schnelle Autos. Auf Spurensuche rund um Mantua.
Jeden Vormittag, wenn sich das Sonnenlicht durch die engen Gassen in der Altstadt tastet, wenn die ersten Touristen neugierig über die Piazza Broletto schlendern, dann wird Rodolfo munter. Ah, due espressi. Bitte schön. Wie wär’s mit einem Stück von der Sbrisolona, der berühmten Mandeltorte aus Mantua? Oder eine Piadina? Rodolfos Bar ist eng, dunkel und alles andere als gemütlich. Aber es ist die Bar Nuvolari. Und wenn jemand nach Tazio Nuvolari fragt, dann kommt der Chef, der mit groß gewachsener Gestalt, grauem Haar und dem dunklen Menjou-Bärtchen in jedem Theater als reifer Liebhaber reüssieren könnte, erst richtig in Fahrt.
Große Verwandtschaft in Mantua
"Oh", schmettert er über die Piazza, "wissen Sie, dass ich der Neffe von Nuvolari bin" Dann lacht er spitzbübisch und wechselt die Stimme vom Heldentenor zum seriösen Bariton: "Aber hier in Mantua ist ja jeder mit Nuvolari verwandt. Irgendwie." Zumindest seelenverwandt. Denn für die Mantovaner ist er der Held, Ehrenbürger, Übervater. Italiens größter Rennfahrer aller Zeiten. Tazio war einer, der in den zwanziger und dreißiger Jahren auf Motorrädern genauso große Rennen gewann wie mit Alfa Romeo, Bugatti und Maserati. Den sie den fliegenden Mantovaner, den Sohn des Teufels nannten und von dem Ferdinand Porsche behauptete, er sei der größte Fahrer der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.
Die Begegnung mit Nuvolari kann nur an der Piazza Broletto beginnen. Nicht in Rodolfos Bar, sondern gegenüber im Palazzo Podestà im kleinen Museum, das ganz dem berühmten Mantovaner gewidmet ist. Vincenzo Ghidini ist der Präsident des Automobilclubs von Mantua, ein pensionierter Apotheker und natürlich Nuvolari-Experte. "Sein Markenzeichen war die goldene Schildkröte, die ihm 1932 der Dichter Gabriele d’Annunzio geschenkt hat."
Gelber Pullover als Markenzeichen
In den Vitrinen glänzen unzählige Pokale. Große und kleine, hübsche und hässliche. Ganz wichtig der gelbe Pullover mit seinen Initialen, den er meist trug, wenn er an den Start ging. "Drüben auf der anderen Seite der Autobahn, in Castel d’Ario, ist er geboren und aufgewachsen", erzählt Signor Ghidini. Nuvolaris Eltern waren Reisbauern. Ihr altes Haus steht heute noch gut zwei Kilometer außerhalb des Dorfes. In Castel d’Ario huldigen sie dem Champion auf eher unspektakuläre Art.
Als Ortsfremder sucht man besser die nächste Bar auf und lässt sich bei einem Caffè den Weg weisen. "Da vorne fährst du links in die Via Matteotti", sagt der junge Barista in der Segafredo Bar, "und siehst gleich rechts sein Geburtshaus. Dann weiter bis zum Nuvolari-Denkmal, rechts ab, und nach fünf Minuten kommst du zum Bauernhaus." Nicht erwähnt hat er die Piazza Nuvolari mit einer weiteren Statue. Wer einmal die Fährte aufgenommen hat, stößt sowieso immer wieder auf Nuvolari. Egal ob im verschlafenen Castel d’Ario, wo einer seiner Neffen immer noch den verlassen wirkenden Bauernhof bewirtschaftet, oder im quirligen Zentrum von Mantua.
Mehr über:
Maserati
Zum Thema
Oberitalien im Mercedes R 500
Italien: Zwergs-Ferien
Deutschlandtour im Ford Mustang: Coast & Logis
Irland im BMW X5
Tschechien: Böhmerwald im Knaus C-Liner
Silvretta-Reise im Käfer: Die Pässe bitte
Schweden im Porsche Cayenne: Feier und Eis
Fraser Island im VW Touareg
Leserkommentare ( 0 )
Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein!
zum Thema
Deutschlandtour im Ford Mustang: Coast & Logis
Tschechien: Böhmerwald im Knaus C-Liner
Silvretta-Reise im Käfer: Die Pässe bitte
Foto-Shows





Bild
vergrößern






drucken
Link versenden
drucken
Artikel
versenden