Regelungen


Zypries will Datenmissbrauch härter bestrafen


 © Michael Gottschalk/DDP
Justizministerin Brigitte Zypries ist für einen besseren Schutz vor Datenmissbrauch

Der Skandal um Millionen geklauter und missbrauchter Daten von Verbrauchern hat auch Politiker auf den Plan gerufen. So schlägt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries vor, Gewinne von Firmen einzuziehen, die diese mit missbrauchten Daten erzielt haben.

Die Affäre um den Missbrauch persönlicher Kundendaten nimmt immer größere Ausmaße an. Es wurden weitere Fälle bekannt, mit denen Call-Center an Datensätze der Deutschen Telekom und womöglich auch der Norddeutschen Klassenlotterie gelangten.

Breite Mehrheit für Verschärfung
Politiker aller Bundestagsparteien riefen nach gesetzlichen Konsequenzen. Für eine entsprechende Verschärfung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen zeichnet sich eine ungewöhnlich breite Mehrheit ab. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach plädierte dafür, dass personenbezogene Daten künftig nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen weitergegeben werden dürfen. Auf Einladung des Innenausschuss-Vorsitzenden Sebastian Edathy (SPD) soll es im Frühherbst im Bundestag ein Krisentreffen zu der Datenaffäre geben.

In die Diskussion hat sich mittlerweile auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) eingeschaltet. Der Skandal könnte nach ihrer Ansicht rasch zu Gesetzesverschärfungen führen. Zypries kann sich drei Konsequenzen vorstellen: Eine ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen für die Weitergabe persönlicher Daten, eine Informationspflicht der Unternehmen bei Datenpannen und die Möglichkeit, durch Datenmissbrauch entstandenen Gewinn wieder einzuziehen.

Regelung umkehren
Zypries verwies darauf, dass für den Datenschutz primär das Innenministerium zuständig sei. Die von ihr genannten Punkte seien zum Teil relativ einfach gesetzlich zu verankern, sagte die SPD-Politikerin. Die Regelung, dass die Datenweitergabe bisher nur durch einen ausdrücklichen Widerspruch unterbunden werden kann, müsse lediglich umgekehrt werden. Eine Informationspflicht für Unternehmen über Datenpannen läge auch in deren Interesse, um das Vertrauen ihrer Kunden zu erhalten, sagte Zypries.

Auch die Gewinnabschöpfung, mit der unerlaubt abgebuchtes Geld etwa von Glückspielvermittlern wieder eingezogen werden könnte, gebe es bereits bei anderen Gesetzen, wie etwa zum unlauteren Wettbewerb, im Kartellrecht oder im Strafrecht. "Darüber wird man jetzt auch beim Datenschutz nachdenken müssen", sagte Zypries.

Auch Kunden der Deutschen Telekom betroffen
Nach einem NDR-Bericht sind auch Kunden der Telekom von dem Datendiebstahl betroffen. Ein Call-Center in Bremerhaven habe sich illegal Zugriff auf Datenbanken verschafft und diese an Dritte weiterverkauft. Telekom-Sprecher Philipp Blank sagte, das Unternehmen sei "offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften" geworden. Bisher habe man aber keine Erkenntnisse, dass Kundendaten für Trickbetrügereien missbraucht worden seien. Die Datenbanken enthalten dem Konzern zufolge persönliche Angaben von 30 Millionen Kunden.
 
Laut NDR sollen zudem in einem Call-Center südlich von Hamburg tausende Verbraucherangaben illegal genutzt worden seien. Es handele sich um Adressen, persönliche Angaben und Bankverbindungen von Kunden, die sich unter anderem für die Norddeutsche Klassenlotterie angemeldet hatten. Der Sender stützt sich auf die Aussage eines ehemaligen Mitarbeiters des Call-Centers, von einem Lotterie-Dienstleister erhaltene Kundendaten seien für den Verkauf von Zeitungsabonnements genutzt worden. Abo-Gebühren seien auch von Kunden abgebucht worden, die keine Zeitungen bestellt hätten.

Der Bundesbeauftragte Schaar bekräftigte in der "Thüringer Allgemeinen" die Forderung nach Aufnahme des Datenschutzes ins Grundgesetz. "Man muss davon ausgehen, dass wir nicht einmal die Spitze des Eisberges sehen", sagte er zu der Datenaffäre. Der CDU-Politiker Bosbach nannte dagegen eine Grundgesetzänderung "reine Symbolpolitik". Er räumte aber ein, dass das Bundesdatenschutzgesetz den technischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden müsse.
 
AP/Reuters

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews


Leser-Kommentare (2) zu diesem Artikel

Lesebefehl (21.8.2008, 22:16 Uhr)

schon irgenwie merkwürdig (20.8.2008, 10:11 Uhr)

Computer-Archiv
stern.de - Partner Tools

Partnerangebot

Gewinnen Sie kostenlos eine Reise auf die Bahamas. Auf PokerStars.de


Partnersuche bei stern.de

Parship

Finden Sie jetzt den Partner, mit dem Sie eine ausgewogene Mischung aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen verbindet.

Extras

Künstler arbeiten heute mit Software so selbstverständlich wie mit Farbe und Leinwand. Doch nur wenige Museen können die kostspielige Technik-Kunst zeigen. stern.de wirft einen Blick in das Museum der Zukunft.

Vom Kind bis zur Oma - alle Generationen spielen Computerspiele. Games zählen zu den wichtigsten Unterhaltungsmedien und beinflussen die Kultur und das soziale Leben weltweit.

Computerspiele können Welten und Wesen zeigen, die wir sonst nie zu sehen bekämen. Lassen sich sich in virtuelle Szenarien entführen, denn: Das Auge spielt mit!

Musik überall, Filme in bestechender Qualität und Internet im ganzen Haus: Home Entertainment wird durch kabellose Technik grenzenlos. In modernen Geräten bilden Design, Leistung und Komfort eine Allianz.

Der neue stern-Sprachkurs

Lernen Sie Fremdsprachen so einfach wie auf einer Sprachreise mit dem kompletten Lernsystem basierend auf Europas führender Sprachlernsoftware.

In Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch.

Videos Digital
Java-Spiele

In unserer Spiele-Sammlung finden Sie einen Spielhallen-Klassiker neben dem anderen.

Mehr vom stern

Anzeige