Wettkämpfe : Weitere Sportarten

Fußball-Frauen


Bittere Lehrstunde für den Weltmeister


 © Marcus Brandt/DPA
Torfrau Nadine Angerer: Auch sie konnte die Niederlage nicht verhindern, musste gleich viermal hinter sich greifen

Was für ein Debakel für die deutschen Fußball-Frauen: Im olympischen Halbfinale gegen Brasilien gab es für die Truppe von Trainerin Silvia Neid eine herbe 1:4-Packung. Dabei hatte es für den Weltmeister in Shanghai anfangs richtig gut ausgesehen.

Der große Traum von der ersten Goldmedaille ist geplatzt, die deutschen Weltmeisterinnen sind beim olympischen Fußball-Turnier zum dritten Mal in Folge im Halbfinale gescheitert. Die Mannschaft von DFB-Trainerin Silvia Neid kassierte gegen den WM-Zweiten Brasilien in Shanghai eine 1:4 (1:1)-Klatsche und trifft nun am Donnerstag im Kampf um Bronze in Peking auf den Verlierer der Begegnung zwischen den USA und Japan.
 
Kapitän Birgit Prinz hatte Deutschland unter den Augen von DFB-Präsident Theo Zwanziger nach zehn Minuten mit ihrem zehnten Olympia-Treffer in Führung gebracht. Formiga glich kurz vor der Pause aus (43.), ehe der Doppelschlag durch Cristiane (49.) und Weltfußballerin Marta (53.) das Spiel entschied. Erneut Cristiane buchte in der 76. Minute endgültig das Final-Ticket für Brasilien. Für Deutschland war es die höchste Niederlage bei Olympischen Spielen und die erste Schlappe im achten Duell mit den Brasilianerinnen. Letztmals so hoch hatten Deutschlands Frauen am 19. Juli 2000 gegen Norwegen (1:4) verloren. Noch höher unterlagen sie am 14. März 1996 (0:6 gegen die USA).

Behringer und Mittag vergeben Chancen zum 2:0
Vor 20.000 Zuschauern im Shanghai-Stadion war Deutschland zu Beginn das bessere Team. Prinz und Co. überzeugten in der Offensive mit gefälligen Kombinationen, hinten stand die Abwehr um Torfrau Nadine Angerer lange gewohnt sicher. Die sonst filigrane Selecao Feminina hielt mit ungewohnter Härte dagegen und leistete sich das ein oder andere bösartige Foul.
 
In der Neuauflage des WM-Endspiels von 2007 und dem zweiten Duell mit Brasilien bei den Spielen nach dem 0:0 in der Vorrunde hatte Annike Krahn die erste Chance. Doch die Duisburgerin setzte ihren Kopfball knapp neben das Tor. Prinz machte es wenig später besser: Brasiliens Abwehrspielerin Erika verstolperte den Ball, Prinz setzte nach, umkurvte lässig Torfrau Barbara und schloss eiskalt ab - 1:0 für Deutschland. Der Gold-Traum lebte noch. Melanie Behringer und Anja Mittag, die abermals für Sandra Smisek stürmen durfte, hatten anschließend das 2:0 auf dem Fuß - beide vergaben leichtfertig. Nun wachten die Brasilianerinnen so langsam auf, das gefährliche Angriffs-Trio Marta, Cristiane und Daniela vergab aber beste Gelegenheiten. Die Mittelfeldspielerin Formiga sprang dafür ein und schloss den bis dahin besten Angriff nach einer Hereingabe von Cristiane aus 13 Metern zum 1:1 ab.

Angerer kassiert die ersten vier Gegentore
Für Angerer war es das erste Gegentor bei einer Endrunde. Sie war auf dem Weg zum WM-Triumph 2007 ebenso unbezwungen geblieben wie nun bei Olympia in China. Nach insgesamt 972 Minuten ging ihre Superserie aber zu Ende. Brasilien war jetzt drin im Spiel - und die deutsche Elf bekam das bald zu spüren. Wie beim Ausgleich war Angerer auch beim 1:2 machtlos. Nach einer Ecke konterte Brasilien die deutsche Hintermannschaft, die nicht rechtzeitig zurückeilte, klassisch aus. Drei "Gelbe" hatten gegen nur zwei "Weiße" leichtes Spiel, Cristiane schoss nach der Vorarbeit von Marta ein. Beim 1:3 ließen sich Kerstin Stegemann und Ariane Hingst von Marta austanzen, die mit einem Außenristschlenzer in die lange Ecke vollstreckte.

Neid reagierte und brachte mit Celia Okoyino da Mbabi und Fatmire Bajramaj zwei frische Kräfte. Stürmerin Conny Pohlers musste jedoch wie im gesamten Turnierverlauf weiter von der Bank aus zusehen, wie der deutschen Mannschaft die Goldmedaille immer weiter entglitt - und sie Cristiane mit dem 4:1 nach einem Solo auch noch demütigte. Beste Spielerin in der nach gutem Start rapide abbauenden und am Ende bitter enttäuschenden deutschen Elf war Prinz in ihrem 187. Länderspiel.
 
SID

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews


Leser-Kommentare (2) zu diesem Artikel

Ausgerechnet Brasilien (18.8.2008, 18:22 Uhr)

Blamabler Untergang (18.8.2008, 14:47 Uhr)

Olympia-Schlagzeilen
Protestler abgeschoben
Der Tibetaktivist Florian Norbu Gyanatshang ist aus chinesischer Haft entlassen und nach Deutschland abgeschoben worden. Der 30-jährige berichtete von nächtelangen Verhören.
Große Ehre für Steiner
Gewichtheber Matthias Steiner ist in China als einziger Deutscher in die Liste der zehn denkwürdigsten Olympioniken aufgenommen worden. Mit dabei: Usain Bolt und Michael Phelps.
Rekordquote
4,4 Milliarden Fernseh-Zuschauer haben weltweit die Spiele in Peking bis zur Abschlussfeier verfolgt. In Athen waren es zum Vergleich am Ende 3,9 Milliarden Menschen.
Funktionär tritt zurück
Hein Verbruggen ist überraschend zurückgetreten. Der Chef der Koordinierungskommission der Peking-Spiele will nach zwölf Jahren im IOC "ein ruhigeres Leben" führen.
Bolt spendet
Der dreifache Sprint-Olympiasieger Usain Bolt hat 50.000 US-Dollar für die Erdbeben-Opfer in der chinesischen Sichuan-Provinz gespendet.
Abschlussfeier
Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin trägt bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne. Die Potsdamerin hatte mit dem Kajak-Vierer Gold und im Einer Bronze gewonnen.
USA fordern Freilassung
Die USA haben die "sofortige Freilassung" von acht inhaftierten US-Tibet- Aktivisten gefordert. Auch ein Deutscher und eine Britin befinden sich seit zehn Tagen in Haft.
Positives Fazit
IOC-Präsident Jacques Rogge hat ein positives Fazit der Olympischen Spiele gezogen. China habe die Welt besser kennengelernt, und die Welt habe China besser kennengelernt, sagte Rogge.
Keine Pressefreiheit
Chinas Regierung hat nach Angaben ausländischer Journalisten das versprechen gebrochen, völlige Freiheit bei der Berichterstattung zu garantieren.
Streit um Altersangaben
Im Streit um das Alter dreier Turnerinnen hat der chinesische Turnverband Dokumente nachgereicht. Es handele sich dabei um Pässe, Personalausweise und Familienstammbücher.
Neuer Doping-Fall
Das IOC gab bekannt, dass der ukrainische Gewichtheber Igor Rasoronow nach seinem Wettkampf im Schwergewicht positiv auf das Steroid Nandrolon getestet wurde.
Segel-Streit beendet
Das Ad-hoc-Tribunal des CAS hat den Einspruch der Spanier und Italiener gegen den Olympiasieg der Dänen in der Segeldisziplin 49er abgelehnt. Damit behalten die deutschen Peckolt-Brüder Bronze.
Aus für "Tischtennis-Opa"
Der Chinese Wang Hao hat den Siegeszug des "Tischtennis-Opas" Jörgen Persson gestoppt. Der Weltranglistenerste besiegte den 42-jährigen Schweden im Halbfinale in mit 4:1.
Blonska verliert Silber
Der ukrainischen Siebenkämpferin Ludmilla Blonska ist ihre Silbermedaille wegen Dopings aberkannt worden. Der 30- jährigen Wiederholungstäterin droht eine lebenslange Sperre.
Rekordflut
Allein Schwimmer und Leichtathleten haben bei den Spielen bis zum Schluss- Wochenende für 29 Welt- und 37 Europarekorde gesorgt. Die Gewichtheber löschten zehn Höchstmarken aus.
Ahlemann droht Fiasko
Springreiter Christian Ahlmann muss die Affäre um sein gedoptes Pferd bei einem Schuldspruch teuer bezahlen. Die fünfstelligen An- und Abreisekosten müsste er zurückerstatten.
Deutsche unter Verdacht
Die Trainer Norbert Warnatzsch (Schwimmen), Klaus Schneider und Klaus Baarck (Leichtathletik) sollen zu DDR-Zeiten junge Sportler mit Dopingmitteln versorgt haben.
Empfang für Gold-Britta
Schwimm-Star Britta Steffen ist nach ihrer Rückkehr aus Peking feierlich in Berlin empfangen worden. Rund 300 Fans begrüßten die Gold-Gewinnerin über 100 und 50 Meter Freistil.
Trauern verboten
Spaniens Wunsch, bei den Spielen der Opfer des Flugzeugunglücks zu gedenken, lehnte das IOC ab. Die Flagge sollte auf Halbmast wehen, Athleten sollten mit Trauerband antreten.
Für Bronze gibts ein Haus
Afghanistan feiert seine erste olympische Medaille: Präsident Hamid Karsai will Taekwondo-Kämpfer Rohullah Nikpai für sein Bronze sogar ein Haus schenken.
Ehre für Bokel
Mit den drittmeisten Stimmen schaffte Fechterin Claudia Bokel überraschend den Sprung in die IOC-Athleten-Kommission. Sie wurde für acht Jahre gewählt.
Höher, weiter, schneller
Olympia-Videos
Ihre Meinung
Peking 2008, das waren...



Verstehen Sie die Sportart








Alle Videos
Favoriten-Check

stern.de wagt einen Tipp und sagt die Chancen von Nowitzki, Hambüchen & Co voraus

Die Welt der Listen
Songs über Muhammad Ali
  • 1. In Zaire - Johnny Wakelin
  • 2. The Ali Shuffle - Malachi Thompson
  • 3. Round 8: The Knockout - Cassius Clay
Bundesliga-Tippspiel

Mit dem stern.de Tippspiel können Sie zusammen mit Ihren Freunden oder Kollegen in der eigenen Tipprunde tippen