Beginn des Artikels
Was macht eigentlich ...
... Olaf Micheel?
© Pablo Martinez Monsivais/AP Photo
Micheel serviert US-Präsident Bush und Kanzlerin Merkel frisch gegrilltes Wildschwein
Der Wirt einer ehemaligen LPG-Gaststätte in Trinwillershagen
richtete am 13. Juli 2006 für US-Präsident George W. Bush
und Kanzlerin Angela Merkel ein Grillfest aus.
Herr Micheel, vor fast
genau zwei Jahren waren Sie
Gastgeber der teuersten
Grillparty der Menschheitsgeschichte:
Knapp 15 Millionen hat Ihre Wildsau am
Spieß gekostet …
Nee. Die hat nur 25 Euro pro Person gekostet,
alles inklusive. Und dazu gab es
ja auch noch eine Soljanka und diverse
Salate.
Und eine 12.000 Mann starke Polizei- und
Secret-Service-Truppe. Wie fühlt man sich da
mit einem Schlachtermesser direkt neben
dem US-Präsidenten?
Ich hatte das Messer doch zu keinem Zeitpunkt
in der Hand, die Amis sind doch
nicht verrückt! Das wurde ihm diskret von
einem Agenten angereicht, der zwei Zentimeter
hinter mir stand. Wenn ich George
hätte umbringen wollen, hätten wir schon
alle vergiften müssen.
Reizende Vorstellung.
Sagen Sie. Aber es gibt so Irre. Die haben
hinterher bei mir angerufen oder Drohbriefe
geschickt: Ich sei ein Kriegsverbrecher
und sonst was, weil ich den Bush bewirtet
habe. Aber ich denke mal, das sind
so ganz verbohrte Ewiggestrige.
Zur Person
Olaf Micheel wurde 1969 in Ribnitz-Damgarten an
der Ostsee geboren, absolvierte nach der 10. Klasse
eine Bäckerlehre und arbeitete anschließend in der
Vorzeige-LPG Rotes Banner in Trinwillershagen als
Gastronomiemeister. Nach der Wende übernahm
der damals 21-Jährige seine ehemalige Arbeitsstelle.
Heute betreibt Micheel das einstige Kulturhaus
der LPG als Gaststätte und Pension Zu den Linden mit
Kegelbahn und Bistro.
Die Schattenseite des Ruhmes! Sie
sind seitdem schließlich größte Attraktion
zwischen Bad Sülze und Fuhlendorf.
Ich doch nicht. Aber mein "Wildschweingrillen
à la Bush"! Da kommen wirklich
Menschen aus aller Herren Länder. Allein
40 Gruppen im vergangenen
Jahr. Gerade war wieder eine
60-köpfige Truppe aus Denver
da.
Bush-Touristen in Meck-Pomm …
Genau. Die wollen alles
ganz genau so nachgestellt
haben, wie es bei Bush war.
Also ohne Polizei natürlich.
Ich suche mir dann immer
zwei aus der Gruppe raus,
die George und Frau Merkel
mimen und mit dem Originalmesser
das Wildschwein anschneiden.
Und dann fotografieren die Leute sich gegenseitig
auf dem Platz, wo Bush gesessen
hat.
Und Sie erzählen wie der Kriegsheld von der
siegreichen Schlacht?
So ähnlich. Die Leute interessieren sich
wirklich für jedes kleinste Detail. Ich ziehe
mein US-Hemd an und bringe meine Trophäen
mit: seine Serviette, das Besteck,
die leere Bierflasche. Das war natürlich
amerikanisches Bier, alkoholfrei. Hat er
aber aus einem Glas der Lübzer Brauerei
getrunken. Die waren hinterher vielleicht
stolz!
Und Sie?
Und wie! Ich bin Gastronom aus Leidenschaft!
Und es kam ja danach auch jede
Menge Post aus Amerika: The White
House, Washington - mit Adler und Goldsiegel.
Unsere Postfrau war immer ganz
aufgeregt, wenn wieder ein Brief kam.
Laura Bush hat mir ein silbernes Visitenkartenetui
geschickt, George persönlich
einen handschriftlichen Dankesbrief. Mit
Übersetzung. Ich spreche ja besser Russisch.
Was wurde eigentlich aus dem
Fremdenzimmer, das Sie für Bush
umgerüstet haben?
Da haben die Telekommunikationsagenten
des Weißen Hauses vergessen, die zusätzlichen
Anschlüsse hinter dem linken
Nachtschrank zurückzubauen. Das ist
ganz gut so. Jetzt kann ich meinen Feriengästen
nämlich beweisen, warum Zimmer
14 "Präsidentensuite" heißt. Da war eben
mal ein echter Präsident drin.
Das können die meisten Nobelhotels in der
Hauptstadt nicht von sich behaupten.
Sehen Sie. Wir sind hier eben doch nicht so
ein Kackdorf, wie viele immer meinen.
Und übrigens nicht erst seit Bush! Hier in
meinem Hause hat zu DDR-Zeiten immerhin
schon mal Abba gesungen. Abba! So
isses ja nu nicht.
Interview: Christoph Wirtz
stern-Artikel aus Heft 29/2008
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