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China weist Tibet-Aktivisten aus


 © Kerim Okten/DPA
Kurz vor Beginn der Spiele reagiert die chinesische Staatsführung immer strenger auf geplante Protest-Kundgebungen

Zum Start der Wettkämpfe bekommen Sportler die Repressalien Chinas zu spüren. Vier Tibet-Demonstranten, die mit einer spektakulären Aktion Aufsehen erregt hatten, müssen das Land verlassen. Olympiasiegerin Amanda Beard durfte nicht nackt protestieren, Olympiasieger Joey Cheek gar nicht erst einreisen.

Kurz vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele an diesem Freitag duldet die chinesische Führung keinerlei Proteste mehr. So bekommt der amerikanische Eisschnelllauf-Olympiasieger Joey Cheek kein Visum für die Reise zu den Sommerspielen nach Peking. Die chinesische Botschaft in Washington verweigerte Cheek die Papiere. Cheek wollte in China als Präsident und Mitbegründer des "Teams Darfur" dazu beitragen, dass internationale Organisationen ihre Friedensbemühungen um die sudanesische Krisenprovinz Darfur verstärken.

Die USA kündigten an, gegen die Maßnahme formalen Protest einzulegen. "Wir nehmen die Sache sehr ernst", sagte die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino. "Wir hoffen, dass sie (die Chinesen) ihre Meinung ändern." Auch das Olympia-Komitee der USA will sich dafür einsetzen, dass der Widerruf aufgehoben wird.

Nackter Protest untersagt
Von den chinesischen Behörden verboten wurde auch der Protest von Schwimm-Olympiasiegerin Amanda Beard. Sie wollte in Peking nackt gegen die Herstellung und das Tragen von Pelzen protestieren. Die Aktion der Tierschutzorganisation Peta hätte eigentlich vor wenigen Stunden vor der Schwimmhalle in der Olympia-Stadt stattfinden sollen, doch die Behörden untersagten das Unterfangen aus "Gründen der öffentlichen Sicherheit". China gilt als einer der größten Pelzexporteure der Welt.

Beard durfte lediglich vor dem olympischen Dorf ein Plakat hochhalten, auf dem sie nackt zu sehen ist. Darüber steht der Slogan: "Fühl dich wohl in deiner Haut. Trage keinen Pelz!"

Mehr Polizisten: Peking verschärft Sicherheit

 
Darüber hinaus schiebt China vier ausländische Aktivisten ab, die am Mittwochvormittag gegen die chinesische Besatzung Tibets protestiert hatten. Die ersten zwei sollen noch in der Nacht das Land verlassen, die beiden anderen am Donnerstag, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Demonstranten aus Großbritannien und den USA hatten kurz vor dem Start der ersten Olympischen Wettkämpfe in Peking mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen gesorgt. Die vier Protestler kletterten am Olympia-Park in Peking unweit des Nationalstadions auf zwei 40 Meter hohe Strommasten und entrollten große Transparente mit der Forderung nach Freiheit für Tibet.

"Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet" stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weißen Banner geschrieben, das die Kletterer anbrachten. Ein anderes verkündete: "Tibet wird frei sein." Die Aktion wurde schließlich von der Polizei beendet, die Feuerwehrautos mit langen Leitern herbeigerufen hatte, um die Transparente wieder abzumontieren. Nach Angaben der Gruppe Students for a Free Tibet brauchten die Einsatzkräfte hierfür eine Stunde, nach Angaben der chinesischen Staatsagentur Xinhua lediglich zwölf Minuten.

"Tibet wird frei sein"
Die Demonstranten hatten vor der Aktion den US-Fernsehsender ABC verständigt. Einer der Aktivisten, der sich als Ian aus Edinburgh identifizierte, rief die Reporter mit seinem Handy vom Strommasten aus an. Er hoffe, die Aktion sei geeignet, "um einen echten Unterschied zu machen".

Obwohl die Spiele in den Stadien - darunter das torlos endende Match der deutschen Fußballdamen gegen die starke brasilianische Olympia-Auswahl - wie geplant beginnen konnten, kritisierte das Organisationskomitee in Peking die Protest-Aktion scharf. "Wir hoffen, dass Ausländer die chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren", sagte Sprecher Sun Weide.

Eine Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erklärte unterdessen, die Organisatoren müssten damit rechnen, dass Menschen die Plattform der Olympischen Spiele dazu nutzten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das IOC sei zuversichtlich, dass Peking darauf vernünftig und mit Verständnis reagiere.

Nach Auffassung der Pekinger Regierung ist Tibet seit Jahrhunderten ein Teil Chinas. Viele Tibeter dagegen argumentieren, dass das Gebiet vor 1950 eine unabhängige Nation gewesen sei. Der Protest gegen die chinesische Herrschaft in der Bergregion schlug im März in Gewalt um. Seitdem gehen die Behörden massiv gegen Demonstranten vor.

Fackellauf unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Der Olympische Fackellauf trat unterdessen seine letzte Etappe vor dem offiziellen Beginn der Sommerspiele an. Das Feuer wurde im Pekinger Kaiserpalast von Astronaut Yang Liwei in Empfang genommen. Er trug die Flamme an einem riesigen Porträt von Mao Tse-tung vorbei durch das historische Tiananmen-Tor. Die Flamme soll innerhalb von drei Tagen von 841 Fackelträgern durch Peking getragen werden und am Freitag das Olympische Feuer entzünden.
 
Kurz vor Beginn der Spiele hatte US-Präsident George W. Bush erneut mehr Meinungs- und Religionsfreiheit in China angemahnt. Zugleich verteidigte er seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier in Peking an diesem Freitag. Hierfür gebe es zwei Gründe: "Erstens, den Chinesen meinen Respekt zu erweisen und zweitens, die US-Mannschaft anzufeuern", sagte Bush. Zwar handele es sich um eine Sportveranstaltung, doch biete sie zugleich die Gelegenheit, den Chinesen zu sagen, dass die Amerikaner ihre Traditionen und ihre Geschichte respektierten. Nichtsdestotrotz sollten die Chinesen "religiöse Menschen in ihrer Gesellschaft nicht fürchten" und Menschen begrüßen, die ihre Meinung frei äußern.
 
DPA/AP/Reuters/AFP

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Leser-Kommentare (27) zu diesem Artikel

@botoxia (6.8.2008, 16:34 Uhr)

Jede Sportveranstaltung (6.8.2008, 16:32 Uhr)

"Das Gesicht verlieren" (6.8.2008, 16:26 Uhr)

No Surprise (6.8.2008, 16:25 Uhr)

provocateur... (6.8.2008, 16:21 Uhr)

Es war doch bekannt, wo es hingeht (6.8.2008, 16:07 Uhr)

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Olympia-Schlagzeilen
Ehre für Bokel
Mit den drittmeisten Stimmen schaffte Fechterin Claudia Bokel überraschend den Sprung in die IOC-Athleten-Kommission. Sie wurde mit 1836 Athleten-Stimmen für acht Jahre gewählt.
Besucherrekord
So viele Fans wie noch nie haben beim olympischen Fußball-Turnier die Stadien gefüllt. 1,9 Millionen Menschen wollten bis nach den Halbfinals die Partien sehen.
IOC-Präsident verärgert
Jacques Rogge hat Sprintstar Usain Bolt mangelnden Respekt vor seinen Gegnern vorgeworfen. Er solle seinen Jubel mäßigen. Durch ihn sehen seine Läufe wie ein Fangspiel aus.
Festnahme nach Protesten
Vier ausländische Tibet-Aktivisten sind bei einem Protest in der Nähe des "Volgelnests" festgenommen worden. Sie hatten eine tibetische Flagge enthüllt und "Befreit Tibet" gerufen.
Ringer will Bronze zurück
Der Schwede Ara Abrahamian klagt nach der Aberkennung seiner Bronzemedaille wegen unsportlichen Verhaltens vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Entscheidung am Freitag.
Erprobt
4133 von 4500 geplanten Doping-Kontrollen wurden in Peking bis zum zwölften Wettkampftag entnommen. Davon sind 3290 Urin-Tests und 840 Blutkontrollen gewesen.
Goldgrube Olympia
Neuer Rekord: Der zu Ende gehende olympische Zyklus mit Winterspielen in Turin und Sommerspielen in Peking bringt dem IOC 2,6 Milliarden Dollar TV-Einnahmen.
Straßenfeger
1,2 Milliarden Fernsehzuschauer weltweit: Die Eröffnungsfeier in Peking hat einen olympischen Rekord aufgestellt. Allein in China sahen 842 Millionen Menschen zu.
Festnahme
Fünf Aktivisten festgenommen: Sie hatten in der Nacht zum Mittwoch auf dem Olympia-Gelände in Peking ein Protest-Banner mit der Aufschrift "Befreit Tibet" entrollt.
Goldenes Trostpflaster
Für Chinas verletzten Hürdensprinter Liu Xiang könnte sich sein Aus als durchaus lukrativ erweisen. Der 25-Jährige war für zehn Millionen Euro gegen Blessuren versichert.
Favoriten-Duell
Im Beachvolleyball-Finale kommt es zum Duell der Topfavoriten. Die Weltmeister Philip Dalhausser/Todd Rogers (USA) treffen auf die Brasilianer Marcio Araujo/Fabio Luiz.
Lukratives Geschäft
302 Entscheidungen in Peking: Auktionshäuser scharren mit den Füßen, um die erste Goldmedaille aus China zu versteigern. Je nach Sportart bringt sie zwischen 5500 und 50.000 Euro.
Boxer beißt Boxer
Mit einem Biss in die Schulter seines Gegners hat sich der tadschikische Boxer Kurbanow um die Medaillenchance gebracht. 17 Sekunden vor Ende wurde das Viertelfinale abgebrochen.
Journalisten-Ansturm
Zum Fußball-Halbfinale der Männer zwischen Brasilien und Argentinien drängten etwa 1000 Journalisten auf die Pressetribüne. Sicherheitsleute versuchten für Ordnung zu sorgen.
Verquatscht
250 000 Handynutzer haben während der Eröffnungsfeier im und rund um das "Vogelnest" telefoniert. Dies sind doppelt so viele wie in Athen 2004 und damit olympischer Rekord.
Sammlerwert
Schon vor dem Ende der Spiele in Peking haben gebrauchte Eintrittskarten Sammlerwert. Besonders populär: Tickets vom Baskeballspiel USA gegen China für 30 Euro.
Enten-Geschwader
16 Tonnen Peking- Ente, fast eine Million Bananen und über 800 000 Eier bekommen Athleten, Trainer und Presse aus aller Welt während der Spiele und der Paralympics serviert.
Brand verärgert
Nach dem Olympia-Aus forderte Handball-Trainer Heiner Brand von den Liga-Clubs eine stärkere Einbindung deutscher Spieler. Sonst werde die jetzige Situation zur Gewohnheit.
Britta hat Heimweh
Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen hat "Riesenheimweh". "Seit meiner zweiten Gold-Medaille bin ich hier ständig unterwegs. Dabei will ich endlich meinen Freund und meine Familie wiedersehen".
Segler wollen klagen
Der Streit in der olympischen 49er-Klasse geht auch nach der Medaillenvergabe weiter: Spanien und Italien erwägen jetzt vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu ziehen.
Keine Generalprobe
Die Olympia-Abschlussfeier am Sonntag muss ohne Generalprobe stattfinden. Das spektakuläre Finale im Nationalstadion beginnt nur acht Stunden nach dem Ende des Marathons der Männer.
Turm-Duo nominiert
Die Wasserspringerinnen Christin Steuer und Annett Gamm bestreiten für Deutschland den olympischen Turm-Wettbewerb. Das gab Cheftrainer Lutz Buschkow bekannt.
Freispruch
Bulgariens Volleyball-Kapitän Plamen Konstantinow ist zum letzten Vorrundenspiel nach Peking zurückgekehrt. Sein Heimat-Verband hatte ihn wegen angeblich hoher Werte zu Unrecht gesperrt.
Kundgebungen geplatzt
Die chinesischen Behörden ließen bisher keine der 77 angemeldeten Kundgebungen während der Spiele zu. Die meisten Demonstranten wollten ihren Unmut über soziale Fragen äußern
Keine neuen Dopingtests
Nach den Fabel-Rekorden im Schwimmen und in der Leichtathletik sind keine schärferen Dopingtests geplant. Testproben werden zur Überprüfungen acht Jahre gelagert.
Knast für Schwarzhandel
Die Pekinger Polizei hat 110 Schwarzhändler wegen illegalen Verkaufs von Olympia-Tickets festgenommen, darunter 17 Ausländer. 340 Eintrittskarten wurden beschlagnahmt.
Neuer DSV-Sportdirektor
Lutz Buschkow ist ab sofort Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes. Der 50-Jährige wurde zum Abschluss der olympischen Becken-Wettbewerbe offiziell vorgestellt.
Beide Arme gebrochen
Milram-Profi Niki Terpstra ist beim Training schwer gestürzt und hat sich dabei beide Unterarme gebrochen. Der 24-Jährige sollte eigentlich für die Niederlande starten.
Erneuter Doping-Fall
Die griechische 400-Meter-Hürdenläuferin Fani Halkia ist positiv getestet worden. Nach IOC-Angaben wurde bei ihr das anabole Mittel Methyltrienolone nachgewiesen.
Bronze aberkannt
Das IOC hat dem schwedischen Ringer Ara Abrahamian die Bronzemedaille aberkannt. Er hatte seine Medaille bei der Siegerehrung achtlos auf die Matte geworfen.
Erneuter Doping-Fall
Die bulgarische Mittelstreckenläuferin Daniela Jordanowa ist nach Angaben ihres Verbandes positiv auf Testosteron getestet worden. Sie wird deshalb nicht nach Peking anreisen.
400.000 Kondome
Pekings städtische Gesundheitsbehörde hat 400.000 Kondome an 128 offizielle Olympia-Hotels verteilt. Die Präservative bekommen die Hotelgäste kostenlos.

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